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Heimatverein Enger
Pättkesfahrt 2019.

200 km auf den Spuren der einstigen Textilindustrie

16 Mitglieder des Heimatvereins Enger radeln in vier Etappen im Raum Gronau vom 20. bis 23.06.2019 

Gleich nach der Ankunft in Gronau-Epe machten sich die 7 Radlerinnen und 9 Radler auf, um Gronau zu umrunden. Erstes Ziel war der „Dreiländersee“, ein Naherholungsgebiet benannt nach seiner Lage im „Dreiländereck“ Nordrhein-Westfalen/Niedersachsen/Niederlande. Danach ging es in die Innenstadt von Gronau, bekannt vor allem wegen des Rock- und Popmuseums, das in der ehemaligen Kesselhalle der Firma Mathieu van Delden untergebracht ist. Aber nicht alle Gebäude aus der einstigen Glanzzeit der Baumwolle verarbeitenden Industrie im deutsch-niederländischen Grenzgebiet haben eine so originelle Verwendung gefunden. Manche Halle starrt leer vor sich hin und wartet entweder auf eine neue sinnvolle Verwendung oder aber auf den Abriss. Während in den 1960-er Jahren die Textilbetriebe noch kräftig investierten, gerieten sie in der Folgezeit angesichts der Konkurrenz aus den „Billiglohnländern“ in eine schwere Krise, so dass Anfang der 1980-er Jahre für die Gronauer Werke das Ende kam. Der Park im Zentrum der Stadt ist durch die erste länderübergreifende Landesgartenschau im Jahre 2003 neu gestaltet worden. Und die Gruppe konnte nur staunen, als sie erfuhr, dass das Wahrzeichen der Innenstadt, der alte Wasserturm, älter ist als die angrenzende Kirche.

Am Freitag führte die Strecke über 60 km durch oftmals naturgeschützte Heide- und Moorlandschaften nach Ahaus. Im „Aamsveen“ und im „Witten Veen“ findet man seltene Pflanzen und Tiere. Hier stehen zum Beispiel die Heckrinder, eine Rückzüchtung des ausgestorbenen Auerochsen. Der Weg führte mal auf deutscher, mal auf niederländischer Seite durch das Grenzgebiet. Schließlich kam die Gruppe im münsterländischen Ahaus an. Dort beeindruckte vor allem das Schloss der Münsteraner Fürstbischöfe, dessen heutige Gestalt wesentlich auf eine Modernisierung durch den großen barocken Baumeister des Münsterlandes, Johann-Conrad Schlaun, zurückzuführen ist. Da das Schloss heute Sitz der Technischen Akademie Ahaus ist, können die Innenräume leider nicht besichtigt werden.

Die Dinkel ist ein kleines Flüsschen, das südlich von Gronau entspringt, dann durch die Niederlande fließt und schließlich in die Vechte mündet. Während auch die Dinkel in der Vergangenheit ihren Tribut an die Textilindustrie leisten musste und in Gronau begradigt wurde, führt sie heute weitgehend naturbelassen durch eine offene Landschaft. Ihr folgte die Radgruppe am Samstag bis ins niederländische Städtchen Oldenzaal. Am Ufer der Dinkel reihen sich im Abstand von jeweils einem Kilometer „Dinkelsteine“. Dabei handelt es sich um große Skulpturen aus Ibbenbürener Sandstein, die beim Vorüberfahren oder bei einem kurzen Halt zum Betrachten einladen. Auch Oldenzaal verfügte einmal über florierende Textilfabriken. Dort setzte die Krise glücklicherweise, wie der Stadtführer urteilte, früher ein, sodass man gezwungen war, schneller zu reagieren. Heute gibt es in der Innenstadt von Oldenzaal zwar wenig erhaltene alte Bausubstanz, dafür aber auch keine Industrieruinen. Gleichsam zum Empfang und zur Verabschiedung führte der Weg der Radgruppe durch eine Rhododendren-Allee.  

Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch von „Haus Welbergen“ am Sonntag. Haus Welbergen ist rund fünf Kilometer östlich des Töpferstädtchens Ochtrup gelegen. Nach einer wechselvollen Geschichte, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht, wurde die verfallene Wasserburganlage im Jahre 1929 von dem Bankier Jordaan von Heek erworben und renoviert. Dessen Frau Bertha Jordaan von Heek setzte seine Arbeit fort und führte den Grundbesitz in eine nach ihr benannte Stiftung über. Natürlich spielte auch hier die Textilindustrie eine entscheidende Rolle; denn beide Familien hatten ihr Vermögen mit Textilien erworben. Haus Welbergen ist berühmt für seine prächtigen Gärten und seine wunderschöne Fassade, vor der sich auch die Engeraner Gruppe gern fotografieren ließ. 

An diesem Tage waren in der Mittagszeit die Temperaturen dabei, das für Radausflüge zuträgliche Maß deutlich zu überschreiten. Auch hatte sich die Summe der zurückgelegten Kilometer schon auf über 200 addiert. So schwang sich die Gruppe nach dem Mittagessen rasch in den Sattel und fuhr auf kürzestem Wege zurück zum Hotel in Gronau-Epe und zu den Fahrzeugen, mit denen alle gesund und um eine schöne Erfahrung reicher am frühen Abend Enger erreichten.  

Wenn auch das Ziel noch nicht feststeht, so wird es im nächsten Jahr sicher wieder eine viertägige Pättkesfahrt in einer interessanten (und weitgehend ebenen) Kulturlandschaft geben!

 

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